Kloster Schöntal, Abteigarten mit Mispelbäumen

Eine fast vergessene ObstartMispeln im Klostergarten

Früher war die Mispel eine äußerst geschätzte Frucht. Vor allem in Klostergärten, so auch in Kloster Schöntal, wurde sie sowohl als Obst als auch als Heilpflanze kultiviert. Heute ist sie im Gegensatz zu Apfel und Birne, die ebenfalls zu den Kernobstgewächsen gehören, in Vergessenheit geraten.

Kloster Schöntal, Ansicht von 1883

Vor 200 Jahren wuchsen zahlreiche Mispelbäume im Klostergarten.

Die vergessene Schwester von Apfel und Birne

Die Mispel war früher so beliebt und verbreitet wie heute der Apfel oder die Birne. Anders als ihr botanischer Name „Mespilus germanica“ vermuten lässt, stammte die Mispel ursprünglich aus Südosteuropa und Westasien. Die Römer brachten die Frucht auf ihren Eroberungen nach Süddeutschland. Im Mittelalter war die Mispel dort weit verbreitet und allerorten zu finden. Vor allem in Klöstern, wie etwa im idyllischen Schöntal, schätzte man sie als Obst und auch als Heilpflanze.

Kloster Schöntal, Klostergarten, Ansicht der Blüte eines Mispelbaums im Abteigarten

Vielseitig und gesund: Die Mispel wurde früher als Obst und Heilpflanze genutzt.

Strenger Geschmack, heilende Wirkung

„Die Mespeln seyn eines herben und strengen Geschmacks / von Natur kalt und trocken / stopffen und ziehen gewaltiglich zusammen / sonderlich wann sie noch nicht weich worden sind / alsdann ziehen sie weniger zusammen / seyn dem Magen bequemer / aber faulen bald.“ So beschreibt das dreibändige Kräuterbuch des frühneuzeitlichen Apothekers, Arztes und Botanikers Jacobus Theodorus Tabernaemontanus die Mispel. In seinem Werk gab er auch Ratschläge für richtige, gesundheitsfördernde Anwendungen der Heilpflanze. 

Kloster Schöntal, Klostergarten, Mispelbaum

In den 1980er Jahren wurden zahlreiche Mispeln neu gepflanzt.

Rückkehr in den Klostergarten

Die Mönche von Kloster Schöntal bauten verschiedene Kräuter, Nutz- und Heilpflanzen zu ihrer Versorgung an – so auch die Mispel. Andere Obstarten verdrängten den Baum jedoch allmählich und so geriet die Pflanze fast in Vergessenheit. In den 1980er Jahren wurde der Konventgarten des Klosters wieder in den historischen Zustand versetzt, zahlreiche Mispelbäume wurden gepflanzt. Den Burs- und Abteigarten, der allmählich zum Großen Garten erweitert wurde, entwarf man 2018 neu – seine alte Gestalt zur Zeit der Mönche diente dabei als Vorbild.

Mispelbaum

Besonders schmackhaft sind die Mispelfrüchte als Marmeladen und Obstbrände.

Genuss für Tier und Mensch

Die Mispeln werden nicht nur von Menschen, sondern auch von Tieren geschätzt: Die Früchte dienen als Nahrung für zahlreiche Insekten, wie etwa Wespen, Bienen oder Schmetterlinge. Auch Vögel wie der Kernbeißer, die Amsel und die Ringeltaube naschen an der Frucht. Und auch Eichhörnchen, Igel, Rehe, Marder und andere Säugetiere machen sich über sie her. Die Mispelfrüchte reifen Ende Oktober heran. Für die Menschen sind sie erst nach dem ersten Frost und längerer Lagerung genießbar.

Mispeln schmecken leicht säuerlich und sind erstaunlich vielfältig: Sie eignen sich hervorragend zur Herstellung von Marmeladen, Gelees, Kompotten, Weinen und Obstbränden.

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